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Das eRezept: Wie ist der Stand der Umsetzung und wie funktioniert es?Neutralität mutual geprüft

Die Diskussion rund um das eRezept wird in Deutschland schon seit vielen Jahren geführt. Nun ist es endlich soweit und die papierene Form des ärztlichen Rezeptes soll ihr digitales Pendant bekommen. Wie Sie es für sich nutzen können, erfahren Sie im Artikel.

Was ist ein eRezept?

Erst ein Mal ist ein eRezept schlicht die digitale Form des normalen, ärztlichen Rezeptes auf Papier. Unter dem Stichwort Digitalisierung der Gesellschaft ist nun auch Deutschland dazu übergegangen, den medizinischen Bereich infrastrukturell in diese Richtung zu entwickeln. Angedacht war, das am 20. Oktober 2020 in Kraft getretene „Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in der Telematikinfrastruktur (Patientendaten-Schutz-Gesetz –PDSG)“ bis Anfang 2022 für alle apothekenpflichtigen Arzneimittel bei gesetzlich krankenversichterten Menschen umzusetzen. Die im Juli 2021 angelaufene Testphase mit 52 Pilotprojekten wurde im Dezember 2021 jedoch auf eine bundesweite Testphase erweitert und verlängert. Aus diesem Grund ist der bundesweite Start nun verschoben worden, auf wann, ist noch unklar. Die Informationen dazu sind auf der Webseite des Bundeministeriums für Gesundheit recht spärlich. Im Zuge der Umsetzung müssen die Prozesse zwischen Patienten, Ärzten, Apotheken und den Krankenkassen telemedizinisch, also digital, aufeinander abgestimmt werden.

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Wie funktioniert das eRezept?

Ein eRezept ist ähnlich wie ein QR-Code, auf dem alle Daten gespeichert werden, die auch auf dem altbekannten rosafarbenen Zettel zu finden sind. Um das eRezept nutzen zu können, haben Sie zwei Optionen. Entweder laden Sie sich die offizielle App „Das E-Rezept“ von gematik herunter, die für Android und iOS verfügbar ist. Es wird dafür natürlich ein Smartphone mit Internetzugang gebraucht. Oder Sie lassen sich in Ihrer Arztpraxis das Rezept mit dem Code ausdrucken und können es normal bei der Apotheke abgeben oder nachträglich einscannen. Alle Daten, die auf dem eRezept gespeichert sind, werden über die sichere Telematikinfrastruktur (TI) des Gesundheitswesens vermittelt, auf das unter anderem Praxen, Krankenhäuser und Krankenkassen Zugriff haben.

Ein großer Vorteil des eRezepts ist, dass Sie bei Beschwerden, die auch in einer Videosprechstunde telemedizinisch diagnostiziert werden können, auch auf einen persönlichen Arztbesuch verzichten können. Der Code des eRezepts wird dann von einem Fernarzt/einer Fernärztin direkt an Sie vermittelt, Sie können in Ihrer App darauf zugreifen und es digital an Apotheken oder die Krankenkasse weitervermitteln. Natürlich ist nach wie vor auch ein klassischer Arztbesuch möglich und in einigen Fällen auch notwendig.

Fernarzt – Was Sie wissen müssen

E-Rezept Funktion

Wie funktioniert die „Das E-Rezept“-App?

Sie haben zwar die Möglichkeit, die App ohne Anmeldung zu verwenden. Dann können Sie darauf Ihre eRezepte speichern und sie an Apotheken übermitteln. Praktischer ist es jedoch, wenn Sie sich mit Ihrer Krankenkassenkarte und der dazugehörigen PIN in der App anmelden. Ob Ihre Karte über die dafür benötigte NFC (Near-Field-Communication)-Funktion verfügt und wie Ihre PIN lautet, erfahren Sie im Zweifelsfall direkt bei Ihrer Krankenkasse. Über die Anmeldung schalten Sie weitere Funktionen frei, beispielsweise Informationen zur Einnahme der Medikamente. Zukünftig soll es außerdem möglich sein, in der App Medikamentenpläne zu erstellen und die Medikamente auf Wechselwirkungen zu checken. Darüber hinaus können Sie Ihr eRezept über die App bequem bei der Krankenkasse einreichen und sich Folgerezepte zuschicken lassen, ohne dafür noch einmal in die Praxis zu müssen.

Es ist angedacht, dass zukünftig auch andere Leistungen wie Heilmittel, Hilfsmittel oder häusliche Krankenpflege digital verordnet werden sollen. Laut Gesetz müssen spätestens ab Anfang des Jahres 2023 alle digitalen Gesundheitsanwendungen elektronisch verschrieben werden.

e-rezept-gematik

Wie löse ich mein eRezept ein?

Wenn Sie in Ihrer Arztpraxis oder bei einer Ferndiagnose ein eRezept erhalten haben, können Sie es persönlich bei einer Apotheke Ihrer Wahl einlösen. Sobald Sie das eRezept übermittelt haben, prüft die Apotheke, ob das Medikament vorhanden ist oder bestellt werden muss. Selbstverständlich werden Sie über diese Schritte informiert und können sich dann via Boten die Medikamente zustellen lassen oder sie vor Ort abholen. Es sei denn, Sie gehen den Weg über eine Online-Apotheke, dann können Sie sich die Medikamente bequem zusenden lassen.

Nutzen Sie Online Services der Krankenkassen, so können Sie dort das eRezept einfach hochladen und sich unter Umständen das Geld zurückholen. Die „Das E-Rezept“-App informiert Sie über den Zeitraum, in dem Sie diese Möglichkeit haben.

online apotheken

Wie wird das eRezept den Markt für die Apotheken verändern?

Für die Vor-Ort-Apotheken wird die Einführung des eRezeptes drastische Folgen haben. Einer Studie der Marketingagentur Dr. Kaske zu Folge werden 7000 Apotheken im Bundesgebiet von dem Wandel betroffen sein und schließen müssen. Die Online-Apotheken wiederum können den Wechsel auf das eRezept kaum abwarten und rechnen mit einer Steigerung von ca. 10 Prozent des Versandhandelanteils – umgerechnet sind das 5,1 Milliarden Euro. Zudem können Medikamente durch das eRezept einfacher in ausländischen Versandapotheken bestellt werden. Diese können beispielsweise Generika oft viel günstiger anbieten als deutsche Vor-Ort-Apotheken.

Online-Apotheken, die vom eRezept profitieren können:

Eine weitere gesetzliche Neuerung, die auch den Online-Apotheken hilft, ist das Gesetz zur Folgerezept-Ausstellung durch Apotheker. Das sieht vor, dass der Arzt auf dem Rezept angeben kann, ob es über einen längeren Zeitraum hinweg gültig bleibt. Das heißt, dass eine Folgeverschreibung durch den Arzt entfällt und die Apotheken diese Verschreibungen selbstständig durchführen können. Für chronische Kranke, die beispielsweise an Migräne leiden, ist das eine große Erleichterung. Und, das vereinfacht es den Online-Apotheken immens, einen schnellen und günstigeren Service anzubieten. Für ein Folgerezept muss der Kunde nur ein Häkchen setzen und bekommt seine Medikamente zugesendet. Er ist damit auch unabhängiger vom deutschen Medizinmarkt und möglichen Versorgungsengpässen.

Fazit
Wie wir im Text erfahren haben, wird es noch eine Weile dauern, bis das eRezept flächendeckend in Deutschland genutzt werden kann. Jedoch verspricht es einige Entlastung für die Nutzer. Bei minderschweren Krankheiten ersparen Sie sich damit den Gang zum Arzt und können sich Ihre rezeptpflichtigen Medikamente via Online-Apotheke nach Hause schicken lassen. Die Ärzte sind entlastet, da Sie nicht mehr für Folgeverschreibungen in die Praxis müssen. Die Online-Apotheken und die Versandhäuser erwarten hohe Umsätze. Nur die Vor-Ort-Apotheken werden es nicht leicht haben, mit der Digitalisierung ihrer Branche Schritt zu halten.

Bildquelle Titelbild: Vielen Dank an StockSnap für das Bild(@pixabay.com)
Bildquellen Fließtext: Vielen Dank an Tumisu(@pixabay.com) und die gematik/apps.apple.com für das Bild

Grafikquelle Fließtext: Vielen Dank an die Deutsche-Apotheker-Zeitung

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