Schilddrüsenunterfunktion-Ursachen-Symptome-Behandlung

Schilddrüsenunterfunktion: Ursachen, Symptome, Behandlung

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone für einen gesunden Stoffwechsel des Körpers. Diese Unterversorgung wird als Hypothyreose bezeichnet.

Durch den langsameren Stoffwechsel ist man sowohl körperlich als auch geistig weniger leistungsfähig. Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion können also unter anderem Müdigkeit oder leichte Depressionen sein.

In den meisten Fällen ist eine Schilddrüsenunterfunktion nicht heilbar. Allerdings können durch die regelmäßige Einnahme entsprechender Medikamente die benötigten Hormone zugeführt werden.

Ursachen und Verlauf einer Schilddrüsenunterfunktion

Aufgrund der Ursachen unterscheidet man eine angeborene von einer erworbenen Hypothyreose.

Bei einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion ist das Organ bei der Geburt zu wenig bis gar nicht entwickelt. Eine weitere mögliche Ursache ist die Schädigung der Schilddrüse schon im Mutterleib, zum Beispiel durch Jodmangel.

Die Häufigkeit, dass ein Neugeborenes an dieser Erkrankung leidet, liegt bei etwa 1:4000. Da die angeborene Hypothyreose maßgeblich die Entwicklung des Kindes beeinflusst, ist eine frühe Diagnose wichtig.

Bleibt die angeborene Schilddrüsenunterfunktion unbehandelt, kann dies schwere Folgen haben. Sie kann zu vermindertem Wachstum, Sprachstörungen, Schwerhörigkeit und Fettleibigkeit führen. Da auch die Ausbildung des Nervensystems beeinträchtigt wird, kommt es bei einer Hypothyreose auch zu einer verlangsamten geistigen Entwicklung des Neugeborenen.

Einer erworbenen Schilddrüsenunterfunktion liegt meist eine chronische Schilddrüsenentzündung zugrunde. Diese kann wiederum Folge einer Autoimmunerkrankung sein. Die Schilddrüse wird dabei als körperfremd angesehen und es werden Antikörper produziert. Dadurch wird Gewebe des Organs zerstört und die Funktion der Schilddrüse geschädigt.

Bei einem kleinen Teil der Frauen kommt es einige Monate nach einer Entbindung zu einer Sonderform der Schilddrüsenentzündung. Diese heilt aber bei der Hälfte der Betroffenen ab, ohne zu einer Schilddrüsenunterfunktion zu führen.

Auch die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion, wie die operative Entfernung von Schilddrüsengewebe, Überdosierung der Medikamente oder eine Radiojodtherapie, kann Ursache einer Hypothyreose sein.

Eine sehr seltene Ursache für Schilddrüsenunterfunktion ist eine Erkrankung der zuständigen Hirnregion. Hierbei werden die Schilddrüse und ihre Hormonproduktion nicht genügend stimuliert.

In jedem Fall produziert die Schilddrüse bei einer Erkrankung an Hypothyreose keine ausreichende Menge der Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Diese steuern Stoffwechsel und wirken auf das Herz und Nervensystem.

Symptome und Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer angeborenen Hypothyreose können die Neugeborenen diverse Symptome, wie beispielsweise eine lange Neugeborenengelbsucht, eine verlangsamte Herzfrequenz und eine große Zunge zeigen. Zudem ist auffällig, dass betroffene Babys sich wenig bewegen, seltener schreien und nicht viel trinken, dafür aber viel schlafen.

Da starke Entwicklungsstörungen Folgen einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion sind, ist die Diagnose Teil des Neugeborenenscreenings. Bei dieser Untersuchung wird dem Baby etwa am dritten Tag nach der Geburt Blut entnommen. Daraufhin wird es auf die Werte der Hormone getestet. So kann eine Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Bei erworbener Schilddrüsenunterfunktion können diverse Symptome auftauchen. Da die Erkrankung aber eher schleichend ist und der Verlauf langsam voranschreitet, sind die Anzeichen vor allem zu Beginn oftmals unauffällig. Zudem weisen einige Symptome nicht eindeutig auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin und können auch andere Ursachen haben:

• verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
• geringere Konzentrationsfähigkeit
• Müdigkeit, Lustlosigkeit
• Depressionen bzw. depressive Verstimmungen
• erhöhte Kälteempfindlichkeit
• chronische Verstopfung
• Appetitlosigkeit
• angeschwollene Lider, angeschwollenes Gesicht
• Zyklusstörungen bei Frauen
• Libido- und Erektionsstörungen bei Männern
• Gewichtszunahme
• trockene Haut
• niedriger Blutdruck
• Gedächtnisschwäche

Wenn der Verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion besteht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann, neben der Anamnese, verschiedene Tests durchführen, um eine Diagnose zu stellen.

Durch Abtasten des unteren Halsbereiches kann der Arzt bereits eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) erspüren. Die Ursachen dafür können durch weitere Tests geklärt werden.

Bei einer Blutuntersuchung wird das abgenommene Blut auf die Werte bestimmter Hormone und Antikörper getestet. Hierbei können die Ergebnisse auch Aufschluss über Ursache und Stärke der Schilddrüsenunterfunktion geben.

Mittels Sonografie (Ultraschall) kann der Arzt beispielsweise eine Unterentwicklung der Schilddrüse feststellen. Auch eine Entzündung des Organs ist dadurch sichtbar. Zudem kann eine kleine Gewebeprobe zur Analyse entnommen werden.

Diese Untersuchungen reichen meist schon aus, um eine Diagnose stellen zu können. Es gibt allerdings auch weitere Methoden, um eine Schilddrüsenunterfunktion zu erkennen, wie zum Beispiel eine Szintigrafie. Dafür wird dem Patienten eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt. Diese wird mit einer speziellen Kamera sichtbar gemacht. Bei einer Hypothyreose wird das Mittel weniger bis gar nicht von der Schilddrüse aufgenommen.

Durch diese Tests können auch andere Krankheiten der Schilddrüse festgestellt oder ausgeschlossen werden. Bei Beschwerden ist der Gang zum Arzt also in jedem Falle hilfreich.

Behandlung von Schilddrüsenunterfunktion

Eine Behandlung der Ursachen von Schilddrüsenunterfunktion ist selten möglich. Allerdings können die Symptome medikamentös behandelt werden.

Dem betroffenen Patienten werden mittels Tabletten synthetisch hergestellte Schilddrüsenhormone zugeführt. Diese gleichen den Hormonhaushalt aus, sodass der Stoffwechsel wieder reguliert wird.

Um eine optimale Dosierung des Hormons zu ermitteln, wird zunächst mit einer geringen Menge begonnen, die langsam gesteigert wird. Parallel dazu werden Bluttests durchgeführt, um die Werte genau beobachten zu können. Dieser Vorgang ist notwendig, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden.

Das Medikament muss regelmäßig und in den meisten Fällen lebenslang eingenommen werden. Zudem müssen in gewissen Abständen die Blutwerte kontrolliert werden. Allerdings ist ansonsten ein ganz normales Leben möglich.

Was kann ich bei Schilddrüsenunterfunktion tun?

Eine Erkrankung an Schilddrüsenunterfunktion durch falsche Ernährung beziehungsweise Jodmangel kommt in Deutschland kaum vor. Daher ist die zusätzliche Einnahme von Jod meist nicht notwendig.

Während einer Schwangerschaft benötigen Frauen eine höhere Zufuhr von Jod (200 µg). Schwangere Frauen, die an Schilddrüsenunterfunktion leiden oder dahingehend familiär vorbelastet sind, sollten sich deshalb vom Gynäkologen und Endokrinologen beraten lassen.

Da eine Begleiterscheinung der Schilddrüsenunterfunktion Gewichtszunahme ist, wollen viele Betroffene abnehmen. Durch die Einnahme der Tabletten werden die Werte der Hormone im Körper reguliert. Der Stoffwechsel wird somit wieder angeregt und eine Gewichtsabnahme unterstützt. Zudem sollten erkrankte Personen auf eine gesunde, kalorienarme Ernährung achten. Auch ausreichend Bewegung ist ratsam. Über geeignete Nahrungsmittel und Sportarten bei Schilddrüsenunterfunktion können Arzt und Ernährungsberater informieren.

Bildquelle: Vielen Dank an Palema für das Bild (© Palema/www.pixabay.de)

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